Im Superwahljahr 2009 reist ganz Deutschland auf einer Welle der Wahllust: vom Timmendorfer Strand bis zur Zugspitze – Deutschland wählt. Ob Bundestag, Europäisches Parlament, zahlreiche Landtage und nicht zuletzt das Amt des Bundespräsidenten: Willkommen in der wählenden Heimat – der „Wahlheimat“.
Wahlheimat“ heißt aber auch: privates, individuelles, persönlichstes mit einem oder zwei Kreuzchen zusammen zu fassen. „Wahlheimat“ steht für private Entscheidungen mit gesellschaftlicher Relevanz, für politische Traditionen sowie politische Kultur und nicht zuletzt für die Fragen: Wie gestaltbar ist diese Heimat durch den Prozess des Wählens? Ist die kollektiv erwählte Gesellschaft und Politik wirklich meine Wahlheimat?
Schon seit langem hat auch die Kunst ihren vermeintlichen Elfenbeinturm verlassen und beschäftigt sich mit den ihr immanenten Gestaltungs- und Ausdrucksmitteln mit den gesellschaftlichen und damit auch politischen Verhältnissen - diesen künstlerisch-kulturellen Positionen bietet die Ausstellung programmatische Wahlheimat in der Karlsruher Nancyhalle. Durch Wahlen werden in Deutschland zentralste und relevanteste Probleme der gesellschaftlichen Entwicklung entschieden – warum nicht die späteren Besucher einer Ausstellung entscheiden und wählen lassen, was sie in der „Wahlheimat“ sehen möchten?
Ziel des Projektes ist es, den demokratischen Prozess des Wählens auf die Kulturgestaltung zu übertragen. Kulturförderung, die Auswahl von Exponaten für eine Ausstellung aber auch die Einstufung des ästhetischen oder intellektuellen Wertes eines Kunstwerks (und damit auch die Klassifikation „Kunst“ selbst) unterliegen bis heute keiner Mehrheitsentscheidung, sondern singulären Einschätzungen und Bewertungen. Inhaltlicher Fluchtpunkt der Ausstellung „Wahlheimat“ ist neben dem Ziel, Demokratie als Prinzip und Mechanismus zu illustrieren auch, zu verdeutlichen, wie sich das Prinzip der Mehrheitsentscheidung auf kulturelle Prozesse der Auswahl und Gestaltung auswirkt.
Die Ausstellung „Wahlheimat“ versammelt in einem gewählten Ausstellungsparlament, das vom 16. April - 03. Mai durch die Bürgerinnen und Bürger erwählt wird, eine kulturelle Schnittmenge der Themenkreise Wahl-Kunst-Demokratie: Wie entsteht politische Öffentlichkeit und welcher Mechanismen und Symbole bedient sich diese? Wer ist der Souverän im demokratischen System und kann man ihn abbilden? Sind verschiedene Meinungen auch im künstlerisch-kreativen Sinne produktiv synchronisierbar? Wann wird aus einer Versammlung ein politisches Organ?
Der Ausgang der Wahl, die Weisheit der Entscheidung der (Kunst)-Wähler, Spitzenkunstkandidaten oder Verlierer – all dies bleibt auch in der Ausstellung „Wahlheimat“ bis zum finalen Wahltag am 03.05. offen. Ob die Zusammenstellung der Ausstellung als gerecht empfunden wird oder man sich insgeheim den einen oder anderen Außenseiter an die Stelle der eventuellen Favoriten wünscht ist unklar. In der „Wahlheimat“ geht alle Macht vom Volke aus – HfG | Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und das ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie freuen sich in jedem Fall auf Diskussionen, triumphale Siege und künstlerische Wahlversprechen in ihrer „Wahlheimat“.
Weitere Infos auf der Wahlheimat-Webseite:
http://superwahlheimat.de