Multimedialitaet ist allgegenwaertig - und das nicht erst, seit es die neuen Medien gibt: Tatsaechlich ist unser alltaegliches Erleben immer schon multimedial induziert und beruht auf multisensorieller
Wahrnehmung, verbunden mit dem Wechselspiel von Emotionen, Reflexion,
Kommunikation und Handeln. Umso erstaunlicher ist es, dass weder in
Philosophie noch Aesthetik dieser Komplexitaet des Erlebens bisher
theoretisch Rechnung getragen wurde.
Das Projekt macht es sich zur Aufgabe, in der Beschaeftigung mit genre- und medienueberschreitenden Kunstprojekten, aber auch mit Alltagsphaenomenen (z.B. den verschiedenen Aspekten der "Eventkultur") die Moeglichkeiten der theoretischen Modellierung der mehrsensoriellen Wahrnehmung und des komplexen Wechselspiels der verschiedenen Prozesse, aus denen sich das Erleben ergibt, auszuloten und so eine "Epistemologie der Multimedialitaet" zu formulieren.
Dieses Projekt wird von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) gefördert.
"The Emergency Studies Project" repräsentiert ein 4-teiliges Langzeit-Forschungsprojekt, das mit einer Habilitation an der HfG Karlsruhe in Verbindung steht und im Rahmen einer Laufzeit über insgesamt 5 Jahre zum Abschluss gebracht werden soll. Das Projekt beginnt 2008, mit der Publikation des 1. Bandes "Emergency Empire – Souveränität" (Springer Wien New York) und endet vorläufig 2012, mit der Publikation der drei weiteren Bände: "Emergency Empire –Schauraum", "Emergency Design – Krisenökonomien" und "Emergency Design – Mikrotopien".
Insgesamt bewegt sich das Forschungsprojekt im interdisziplinären Bereich, auf der Schnittstelle zwischen Politischer Theorie, Politischer Ökonomie, Kulturphilosophie, Kultursoziologie, Bild- und Medienwissenschaft, Theorie des Öffentlichen Raumes, politischer Design- und Medientheorie und den neueren Kulturtheorien. Der dramaturgische Bogen des Gesamtprojektes beschreibt einen transformatorischen Prozess von klassischen Institutionen des Politischen und Ökonomiepolitischen wie Staat, Demokratie, Krieg, Kriegsökonomie, ius ad bellum, Völkerrecht, Staatsrecht, Freiheit, Ausnahmezustand usw. hin zu Modellen der ökonomisierten Regierungstechniken, der Gouvernementalität, der Governance, des Lobbyismus, der Globalwirtschaft und der derzeit international angestrebten Globalpolitik.
Im Dialog mit diesem transformatorischen Bogen auf der politischen Medienoberfläche stehen Counter-Phänomen, die als Mikropolitiken (Deleuze; Guattari) des Multitudo (Spinoza; Negri), bzw. als Akteursnetze (Latour) in den Zonen der Anomie (Durkheim; Agamben), nämlich in politischen Subräumen der Prekarität (Bourdieu) und in städtischen Aktionsräumen des semiotischen Widerstands (Gramsci; Marchart) zur Kenntnis genommen werden können. Diese Dynamiken werden von Dr. Milev im weitesten Sinne als „Emergency Designs“ bezeichnet und schließen vielschichtige sozial-politische, kunst-, design- und kultursoziologische, sowie medientheoretische Beobachtungen ein. Erst im Verständnis beider Dynamiken, der Subraum-Dynamiken vor der Folie der Empire-Dynamiken, können schließlich neuen Ordnungen des Lokal-Politischen erkannt werden, die als neue „Hybrid Order“ und als hyperkulturelle Mikrotopien derzeit vielfältig Gestalt gewinnen. Hierbei ist es das Anliegen der Unternehmung einen Designbegriff ins Gespräch zu bringen, der im Kontext gesellschaftlicher Dynamiken als designsoziologisches und designpolitisches Dispositiv neu zu verstehen sein wird.