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Aktuelle Projekte

Dr. Christiane Heibach: "Epistemologie der Multimedialitaet"

Multimedialitaet ist allgegenwaertig - und das nicht erst, seit es die neuen Medien gibt: Tatsaechlich ist unser alltaegliches Erleben immer schon multimedial induziert und beruht auf multisensorieller Wahrnehmung, verbunden mit dem Wechselspiel von Emotionen, Reflexion, Kommunikation und Handeln. Umso erstaunlicher ist es, dass weder in Philosophie noch Aesthetik dieser Komplexitaet des Erlebens bisher theoretisch Rechnung getragen wurde.
Das Projekt macht es sich zur Aufgabe, in der Beschaeftigung mit genre- und medienueberschreitenden Kunstprojekten, aber auch mit Alltagsphaenomenen (z.B. den verschiedenen Aspekten der "Eventkultur") die Moeglichkeiten der theoretischen Modellierung der mehrsensoriellen Wahrnehmung und des komplexen Wechselspiels der verschiedenen Prozesse, aus denen sich das Erleben ergibt, auszuloten und so eine "Epistemologie der Multimedialitaet" zu formulieren.
Dieses Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Dr. Kristin Marek: "Ästhetik des Leichnams. Kunst, Bildtheorie, mediale Reflexion"

In der Geschichte der Bilder ist es immer wieder die Darstellung eines Leichnams, die als radikaler Einschnitt in die Ordnung des gängigen Bildhaushaltes einen Moment markiert, in dem grundlegende medienontologische und bildtheoretische Parameter und Rezeptionsmodellierungen, seien sie künstlerischer, religiöser, politischer, sozialer und geschlechtsspezifischer Art, in Gang gebracht werden und sich artikulieren.
Wann, wie und warum der Leichnam – der Tote als Toter – ins Bild kommt und welche medienontologischen und bildtheoretischen Reflexionen sich damit verbinden, sind Fragen, die nicht nur im zeitgenössischen Kontext, sondern gerade auch in historischer Perspektive produktiv zu stellen sind. Die hier verfolgte Ästhetik arbeitet dabei mit einem konzeptuellen, wörtlich verstandenen Ästhetikbegriff, der nicht auf eine Theorie des Schönen, sondern auf eine Theorie der Wahrnehmung, Rezeption und sinnlicher Erfahrung des Leichnams zielt und zugleich deren historische Konstruktionen und bildmedialen Reflexionen verfolgt.
Die Forschung hat sich dem gegenüber bislang vornehmlich entweder mit den modernen und zeitgenössischen Phänomenen der Sichtbarkeit des Todes und der Toten befasst oder in historischer Perspektive ästhetische Fragen ausschließlich an die Wahrnehmung und die Erscheinungsweisen des Todes gerichtet. Darum interessiert hier ausdrücklich nicht eine, wie auch immer gelagerte (soziologische, kulturwissenschaftliche, historische etc.), Geschichte des Todes, sondern vielmehr die bild- und medientheoretischen Paradigmen, die sich im Sujet des Leichnams artikulieren, oder, anders ausgedrückt, ein Nachdenken über das Bild im Medium des Bildes am Sujet des Leichnams.

Dr. Yana Milev: "The Emergency Studies Project" (Emergency Empire / Emergency Design)

"The Emergency Studies Project" repräsentiert ein 4-teiliges Langzeit-Forschungsprojekt, das mit einer Habilitation an der HfG Karlsruhe in Verbindung steht und im Rahmen einer Laufzeit über insgesamt 5 Jahre zum Abschluss gebracht werden soll. Das Projekt beginnt 2008, mit der Publikation des 1. Bandes "Emergency Empire – Souveränität" (Springer Wien New York) und endet vorläufig 2012, mit der Publikation der drei weiteren Bände: "Emergency Empire –Schauraum", "Emergency Design – Krisenökonomien" und "Emergency Design – Mikrotopien".

Insgesamt bewegt sich das Forschungsprojekt im interdisziplinären Bereich, auf der Schnittstelle zwischen Politischer Theorie, Politischer Ökonomie, Kulturphilosophie, Kultursoziologie, Bild- und Medienwissenschaft, Theorie des Öffentlichen Raumes, politischer Design- und Medientheorie und den neueren Kulturtheorien. Der dramaturgische Bogen des Gesamtprojektes beschreibt einen transformatorischen Prozess von klassischen Institutionen des Politischen und Ökonomiepolitischen wie Staat, Demokratie, Krieg, Kriegsökonomie, ius ad bellum, Völkerrecht, Staatsrecht, Freiheit, Ausnahmezustand usw. hin zu Modellen der ökonomisierten Regierungstechniken, der Gouvernementalität, der Governance, des Lobbyismus, der Globalwirtschaft und der derzeit international angestrebten Globalpolitik.

Im Dialog mit diesem transformatorischen Bogen auf der politischen Medienoberfläche stehen Counter-Phänomen, die als Mikropolitiken (Deleuze; Guattari) des Multitudo (Spinoza; Negri), bzw. als Akteursnetze (Latour) in den Zonen der Anomie (Durkheim; Agamben), nämlich in politischen Subräumen der Prekarität (Bourdieu) und in städtischen Aktionsräumen des semiotischen Widerstands (Gramsci; Marchart) zur Kenntnis genommen werden können. Diese Dynamiken werden von Dr. Milev im weitesten Sinne als „Emergency Designs“ bezeichnet und schließen vielschichtige sozial-politische, kunst-, design- und kultursoziologische, sowie medientheoretische Beobachtungen ein. Erst im Verständnis beider Dynamiken, der Subraum-Dynamiken vor der Folie der Empire-Dynamiken, können schließlich neuen Ordnungen des Lokal-Politischen erkannt werden, die als neue „Hybrid Order“ und als hyperkulturelle Mikrotopien derzeit vielfältig Gestalt gewinnen. Hierbei ist es das Anliegen der Unternehmung einen Designbegriff ins Gespräch zu bringen, der im Kontext gesellschaftlicher Dynamiken als designsoziologisches und designpolitisches Dispositiv neu zu verstehen sein wird.